Es war ein regnerischer Novembertag, als ich durch den Wald lief und auf einmal einen Schrei hörte. Es war eine Frauenstimme. Als ich herausgefunden hatte, woher die Stimme kam, bewegte ich mich in diese Richtung. Als ich so durch den Wald hetzte, sah ich auf einmal eine Lichtung vor mir, auf dieser Lichtung sah ich zwei Räuber, die einer Frau zu Leibe rückten. An der Kleidung der Frau, einem braunen, mit Dreck beschmiertem Wollkleid, sah ich, dass sie eine einfache Holzsammlerin war. Sie war recht hübsch.
Die beiden Räuber waren meiner Ansicht nach Raubritter. Der eine groß und kräftig von Statur, in eine schwarze Rüstung gekleidet. Er hatte ein rundes Gesicht und schwarzen Haare.
Der andere war eher schmächtig, mit einer Hackennase und einer braun-goldenen Rüstung.
Gerade in dem Moment, indem ich mich dazu durchgerungen hatte einzuschreiten, trat, mir gegenüber auf der anderen Seite der Lichtung, ein weiterer Ritter aus dem Schatten der Bäume.
Groß gewachsen, mit langen schwarzen Haaren, einer Augenklappe über dem rechten Auge und einem Bart, der seinen Mund umspielte. Er trug eine silber-goldene Rüstung mit einem großen Wappenschild. Wie er da so aus dem Wald kam, mit entschlossener Mine und dem Schwert in der Hand, war ich vor Ehrfurcht erstarrt. Als er die beiden „Ritter“ ansprach mit seiner wohlklingenden Stimme, konnte ich nur noch da stehen und zusehen, was sich auf der Lichtung ereignete.
„He, ihr beiden da! Was wollt ihr von dieser liebreizenden Dame??“
Die beiden Ritter hielten inne damit, die Holzsammlerin zu bedrängen. Der große, kräftige von den Beiden sah sich um und fing an zu lächeln. Der Schmale, mit der Hackennase antwortete: „Was willst du hier? Wer bist du? Scher dich davon, bevor dir noch Schlimmeres zustößt.“
Aber der Ritter blieb freundlich, ließ sich nicht von diesen Kerlen einschüchtern und sagte: „Wer ich bin?? Das tut nichts zur Sache. Ich kann dir nur sagen, wenn mir die Dame sagt, dass ihr sie bedrängt habt, bekommt ihr bösen Ärger mit mir.“
Der große, kräftige war die verbale Auseinandersetzung leid und stürmte auf den Ritter zu und zog dabei sein Schwert. Der Ritter wich dem geradeheraus ausgeführten Streich mit einem schnellen Schritt zur Seite aus und rammte dem Kerl den Schwertknauf auf die Nase. Der Kerl sackte zusammen wie ein fallen gelassener Sack Kartoffeln und hielt sich die Nase und stöhnte irgendwelches unverständliche Gestammel. Der andere „Ritter“ sah verdutzt auf seine Kompagnon und half ihm beim Aufstehen. Gemeinsam verließen sie die Lichtung, kurz vor dem Wald drehte sich einer noch mal um und rief: „ Das wirst du büßen. Irgendwann finden wir dich und deinesgleichen und rotten euch aus.“
Unbekümmert über diesen Satz ging der Ritter zu der Holzsammlerin und half ihr auf, sammelte mit ihr die verlorenen Holzscheite auf, verabschiedete sich auf höfliche Weise und verschwand.
Als ich abends in der dörflichen Kaschemme saß und mein Met genoss sah ich die Frau wieder, wie sie sich zum Wirt rüber beugte. Angestrengt versuchte ich das Gespräch zu verfolgen.
Ich bekam aber nur ein paar Wortfetzen mit, welche die Beschreibung des Ritters betrafen. Also entschloss ich mich, mich näher heran zu setzten, um das Gespräch besser belauschen zu können. Aber selbst dort konnte ich nicht alles mit anhören, da es in der Kaschemme so laut war.
„So wie du ihn beschrie.. müsste …. Garth Ashnak … Ritter …. Bewahrer des Lichts…….Kampfgefährte von Gandalf…. Ord Craven….“
Als ich diese Wort fetzen aufgeschnappt hatte, konnte ich mir auch langsam ein Bild zusammen reimen. Es gab da nämlich Gerüchte über eine Bruderschaft/Gilde/Zusammenkunft die sich die Bewahrer des Lichts nennen und sich gegen die Unterdrückung des Volkes durch die, so genannten, Dunklen Horden, auflehnen und sie bekämpfen. Von daher müsste dieser Ritter einer von denen gewesen sein.
Nachdem die Frau die Kascheme verlassen hatte, ging ich zu dem Wirt und fragt ihn nach dem Wappen, was ich auf dem Schild gesehen hatte und erklärte ihm, wie es dazu kam, dass ich das Wappen sah. Er bestätigte meinen „Verdacht“, dass es sich um einen von den Bewahrern des Lichts gehandelt hatte und sagte mir auch noch den Namen des Ritters, den ich sah: Garth Ashnak
Ich fragte ihn, ob er mir genaueres über ihn sagen könne, aber er sagte, er könne auch nur die Gerüchte wiedergeben.
Ich forderte ihn auf, mir die Gerüchte mitzuteilen, eventuell kannte ich sie ja noch nicht.
Der Wirt erzählte: „Garth Ashnak soll ein Ritter sein, dessen Vater auch schon Ritter war. Er soll eine gute Ausbildung genossen haben, er kann sogar lesen und schreiben.“ Als ich den Wirt auf die Augenklappe ansprach, sagte dieser: „ Wie ich gehört habe, soll er das eine Augenlicht im frühen Kindsalter verloren haben, als ein Diener unvorsichtig mit den Kerzen war und dem jungen Kind das heiße Kerzenwachs ins Auge gelaufen ist.“
So war das als ich damals das erste Mal Garth Ashnak gesehen habe und mehr über ihn erfuhr. Seit dem bin ich bereit, jedem der mich danach fragt, meine Geschichte kundzutun über mein zu Augenschein bekommen der Bewahrer des Lichts.