Einleitung:
Die holde Maid Alrun erblickte das Licht der Welt in einem kleinen Dörfchen in Mittelerde. Ihre Eltern Alinor und Herman starben kurz nach ihrer Geburt an einer Epedemie, die zu dieser Zeit fast ein Drittel der gesamten Bevölkerung von Mittelerde auslöschte. Die gnädigen Handelsleute Erik und Gertrudis nahmen das verwaiste Kind ihrer Bauernschaft im Alter von sieben Monaten auf und erzogen sie wie ihre eigene Tochter.
Alrun verbrachte ihre Kindheit recht beschützt und behütet, was sie allerdings nicht daran hinderte, mit des Schmiedes Sohn Albert Kampfspiele hinter der Scheune auszutragen. Sie ließen sich von Gunnar, dem Stallmeister, hölzerne Schwerter anfertigen. Sie kämpften und übten fast jede freie Minute, wobei die größeren und kleineren Wunden jedoch nicht ausblieben, was Gertrudis natürlich ganz und gar nicht gefiel. Albert musste fast immer mehr einstecken, seine Begründung dazu war: "Man kann Mädchen nicht so dolle schlagen, weil sie immer gleich weinen!"
Geschichte:
In dem Winter, nach ihrem 18. Geburtstag, kurz bevor das neue Jahr eintrat, ritten schwarz gekleidete Ritter auf großen Kampfrössern die Straße zu ihrem Hof hinauf. Alrun stand in der Nähe der Scheune und beobachtete, wie drei, ihr rießig vorkommende Männer vom Pferd stiegen und schnellen Schrittes zum Haupthaus gingen. Nach einigen Minuten kamen sie wieder heraus, Erik und Gertrudis liefen hinterher. Die Gesichter der fünf Personen waren hart und besorgt zugleich. Die Ritter stiegen wieder auf ihre Rösser und ritten davon, die Hofeigentümer gingen zurück in ihr Haus.
Wie Alrun des späteren von ihren Zieheltern erfuhr, herrschte seit kurzer Zeit Krieg zwischen den mächtigsten Königreichen Mittelerdes. Das eine war das Königreich Lindblum, wozu Gertrudis und Eriks Hof gehörte. Das andere Königreich war Alraun, kein schönes Land, ein unfruchtbarer, heißer Ort, von hohen Bergen umschlossen. So dunkel wie jeder Tag in dieser Gegend, so finster sind dort auch die Menschen.
Eines Tages, kurz nach Neujahr, bot sich Alrun der wohl schrecklichste Tag ihres Lebens. Der Krieg klopfte an ihre Haustür.
An diesem Morgen lag sie noch in ihrem Bett, bis sie von dem Geschrei von Männern und Pferden im Hof geweckt wurde. Eilig rannte sie zum Fenster und sah hinaus... Rauch, Rauch, Rauch wo man hinsah, alles brannte. Aus den Pferdeställen und Scheunen schrieen die Tiere qualvoll um ihr Leben, Frauen und Kinder, alte Menschen rannten mit Eimern voller Wasser zu den hell brennenden Gebäuden. Tiere wurden aus den qualmenden Mauern gezogen. Angstschreie überall. Alrun zog sich das nötigste und wärmste an und rannte aus ihrem Zimmer in die kalte Morgenluft. Alles roch nach verbranntem Holz und Fleisch, dass ihr übel würde.
Männer, schwarzrot gekleidet, in einer für sie unbekannten Rüstung waren in ihrem Dorf eingefallen und erschlugen alles und jeden der ihnen über den Weg kam! Für sie erschien alles wie in einem Alptraum. Blut floss aus Kehlen, Pfeile stießen durch Klamotte und Fleisch...und immer wieder diese Schreie.
Bei einem Toten entdeckte sie ein Kurzschwert in der Brust, mit einem schnellen Ruck zog sie es heraus. Sie war bewaffnet und der Zorn in jeder ihrer Adern. Sie stapfte die Straßen hinunter und sah wie ein Ritter von Alraun sich an einem Bauernweib vergreifen wollte. Ihr ganzer Hass kam nun mit einem Male herausgesprudelt. Sie rannte wie blind auf den Ritter zu und schlug ihm mit einem Hieb den Kopf von seinen breiten Schultern. Die Frau befreite sich aus seinem Griff und rannte raus aus dem Dorf in den sicheren Wald. Ein Wutschrei ertönte hinter Alrun, sie drehte sich noch rechtzeitig um und erkannte einen weiteren dieser verächtlichen Ritter. Er zog seinen Dolch aus seiner Scheide und rannte wie von der Sau gebissen auf sie zu. Anscheinend blind vor Wut stolperte er über einen Stein und fiel mit einem harten Knall zu Boden. Sie nahm ihre Chance war erstach den Mann leichter Hand mit ihrem Kurzschwert.
Die dunklen Ritter zogen ab, ebenso schnell sie gekommen waren. Alrun stand da, mit blutverschmierten Händen und Gewand. Sie lief die Straßen wieder hinauf zu ihrem Hof und machte dort den grausamsten Fund: Ihre Ziehmutter Gertrudis lag einer unnatürlichen Körperhaltung am Boden, rausgeworfen aus dem Fenster ihres Schlafgemachs, wie ein Sack Gerste. Ihr Ziehvater Erik lag ein paar Meter weiter in seinem eigenen Blut, aufgeschlitzt und wie es aussah auch geschändet von den Blutrünstigen Bestien aus Alraun.
Alrun brach zusammen. Ihre ganze heile Welt von Heute auf Morgen vernichtet, verbrannt, erschlagen, gepeinigt und geschändet! Mühsam stellte sie sich auf ihre Beine und ging vor die Tür ihres Hofes. Ihre Kraft ließ nach, das Schwert ging mit einem Klirren zu Boden und vollkommende Erschöpfung erfasste sie.
Mit einem letzten Kraftschub schrie sie ihren Hass in die Welt.
Ihre Worte:
„Ich werde euer Heim verbrennen, eure Familien vernichten und euch alle schänden!“
Und so machte sich Alrun mit dem letzten Gefolge ihres Hofes auf den Weg nach Alraun, um sie alle zu finden, zu knechten und zu vernichten!
(Geschrieben von Ute Seidel)